Null Bock auf Kirche!?

 
 

«Angela, hast du deine Teenager eigentlich gezwungen, mit in die Kirche zu gehen?»

Diese Frage wurde mir kürzlich von etwas verzweifelten Eltern gestellt. «Nein, habe ich nicht – kein einziges Mal», konnte ich mit gutem Gewissen antworten.

Es entspann sich ein spannendes Gespräch über Teenies, die gerade «null Bock» auf Kirche haben. Ganz ehrlich: Die Patentlösung habe ich auch nicht, zumal mir dazu weitgehend die eigene Erfahrung fehlt. Aber eines weiss ich ganz gewiss: Zwang ist der falsche Weg und wäre für mich nicht in Frage gekommen.

Wie so oft werden die Weichen auch in diesem Punkt Jahre früher gestellt. Was man im Voraus tun kann, damit man erst gar nicht an den Punkt kommt, wo sich die Frage nach Zwang stellt – das teile ich sehr gerne mit euch. Natürlich ohne Garantie auf «Erfolg». 😉

1. Kirche muss Spass machen!

Während meiner Zeit als Leiterin des Kindergottesdienstes war das meine ständige Botschaft an das Team. Die Kids müssen sich angenommen und wohl fühlen. Beziehungen sind viel wichtiger als reine Wissensvermittlung. Wenn bereits Kinder Kirche als langweiligen Ort erleben – wie sollen sie dann als Teenager Bock darauf haben?

2. Freunde treffen

Wenn Kirche der Ort ist, an dem Kinder und Teenager ihre Freunde treffen, ist es auch der Ort wo sie hin wollen und nicht müssen. Dabei lohnt es sich, nicht nur in Beziehungen zu Gleichaltrigen zu investieren: Unsere Kinder hatten in der Kirche immer auch ältere Bezugspersonen, die sich ehrlich für sie interessierten und sie ein Stück weit auf ihrem Weg begleiteten.

3. Mitarbeit macht Spass

Je früher Teenies und Preteens in die Mitarbeit einbezogen werden, desto besser. Es macht mich jedes Mal happy zu sehen, wie Jugendliche einen Platz bekommen, an dem sie ihre Fähigkeiten und Gaben einbringen können. Als Teamleiterin habe ich es geliebt, ihnen diesen Raum zu geben. Und wenn man bereit ist, den eigenen Perfektionismus loszulassen, wird man belohnt – oft mit äusserst kreativen Ideen und spannenden Herangehensweisen! 😊

4. Starthilfe statt Hürden

Als Eltern kostet es uns manchmal etwas, die Mitarbeit unserer Teenies zu unterstützen. Mich haben meine Teenies in der Jungschararbeit so manchen Samstagvormittag gekostet.

«Mama, kannst du noch schnell ein paar Kilo Schlangenbrotteig machen? Ich hab’s ganz vergessen …»  oder «Mami, ich brauche für heute Nachmittag 100 kleine Papierschäfchen – könntest du …?»

So klang es regelmässig. Ja, manchmal war ich genervt und habe die Augen verdreht – um mich dann doch mit Papier und Schere an den Tisch zu setzen. Mein Ziel war dabei nicht, ihnen alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen, sondern ihnen als jungen LeiterInnen praktische Starthilfe zu geben. Ich bin überzeugt: Wenn Mitarbeit Freude macht, macht auch Kirche – und schlussendlich der Glaube – Freude. Dafür nahm ich etwas Chaos und spontane Bastelaktionen gerne in Kauf.

5. Echte Gemeinschaft und Anteilnahme

Kirche soll aber nicht nur Spass und Freude machen, sondern auch ein Ort echter Gemeinschaft sein. Eines unserer Kinder hatte in der frühen Teeniezeit gesundheitlich grosse Herausforderungen. Sie durfte damals erleben, wie «random Leute» (ihr Ausdruck …) immer wieder nachfragten, wie es ihr geht, und ihr versicherten, dass sie für sie beten.

Solche Momente kann man nicht erzwingen. Aber wir alle können in unseren Kirchen diese «random Leute» sein, die sich ehrlich für Kinder und Jugendliche interessieren. Damit machen wir Kirche für die nächste Generation ein Stück mehr zu einem Ort, an dem echte Begegnung stattfindet.

Lust auf mehr Impulse?

Wenn dich das Thema Glaube und Kirche in Bezug auf unsere Kinder und Teenies interessiert, dann ist der Onlinekongress «Glaubensfunkeln – die Challenge» genau das Richtige für dich! Er startet nächste Woche, und ich durfte ein Interview dazu beitragen – natürlich ging es dabei um Teenies. 😊