Wenn Kinder nicht mehr können: Was uns der kleine Igel über Schulabsentismus lehrt

 
 


Kürzlich entdeckte ich auf Instagram einen wunderschönen Beitrag: Der Bär fragte den kleinen Igel, warum er nicht zur Schule gehe. Der Igel sagte mit Blick auf den Boden: «Weil ich nicht kann.»

Zwischen den beiden entspann sich ein Gespräch darüber, was die Erwachsenen sagen und wie es dem Igel wirklich geht. Am Ende kam der Bär zum Schluss, dass der Igel vielleicht nicht noch mehr Druck braucht – sondern jemanden, der ihm glaubt, dass er wirklich nicht kann.

Diese kleine Geschichte hat mich nicht mehr losgelassen. Sie bringt auf den Punkt, was mir in meiner Arbeit zunehmend begegnet und mich stark beschäftigt: Ich begleite immer wieder Familien mit Kindern mit sogenanntem «Schulabsentismus» – Kinder also, die über einen gewissen Zeitraum hinweg die Schule teilweise oder gar nicht besuchen können. Meistens haben die Familien schon vieles ausprobiert und einen langen Leidensweg hinter sich, bevor sie bei uns in der Praxis landen.

Während meiner Ausbildung am Neufeld Institute wurde uns eingeprägt, wie wichtig es ist, Kinder von innen heraus zu verstehen. Wir sollten als Beraterinnen und Kursleiterinnen nicht einfach Verhalten beurteilen oder verändern wollen, sondern Eltern helfen, ihr Kind von innen heraus zu verstehen.

Ich kann gar nicht anders, als mit genau diesem Blick auf Kinder mit Schulabsentismus zu schauen. So versuche ich bei jedem Kind neu zu verstehen, wo die Not liegt und was es braucht, damit Veränderung geschehen kann.

Auch wenn die Auslöser vielfältig sind, eines haben all diese Kinder gemeinsam: Sie leiden unter der Situation. Sie würden so gerne einfach unbeschwert zur Schule gehen. «Ich möchte einfach nur normal sein», sagte ein betroffener Junge einst zu mir.

Ein Wundermittel gegen Schulabsentismus gibt es nicht. Aber es gibt entscheidende Schlüssel auf dem Weg:

  1. Innehalten und Verstehen wollen: Wenn Kinder in Not spüren, dass da jemand ist, der sich wirklich interessiert, nehmen sie wahr: Da ist jemand auf meiner Seite.

  2. Die Seite wechseln: Als Eltern und Bezugspersonen dürfen wir uns an die Seite des Kindes stellen. Es ist so viel einfacher, sich gemeinsam einem Problem zu stellen, als wenn das Problem zwischen uns steht und wir uns als Gegenspieler wahrnehmen.

  3. Ruheräume schaffen: Um wirklich hinhören zu können, braucht es Zeit und Ruhe. Manchmal helfen anstehende Ferien, manchmal muss man sich diese Zeitfenster im Alltag bewusst schaffen.

Dieser Weg ist kein schneller und weit weg von einer Wunderpille. Und doch zeigt sich: Wir sind dem Problem nicht hilflos ausgeliefert. Wir können aktiv werden und ins Gestalten kommen.

Ich wünsche mir von Herzen, dass kein Kind sich mehr so unverstanden fühlen muss wie der kleine Igel.

Möchtest du noch tiefer eintauchen und deine Kinder von innen heraus verstehen?

Im Oktober startet wieder unser Kurs «Kinderseelen verstehen». Er begleitet dich dabei, die Sprache deines Kindes neu zu lesen und Bindung als stärkste Kraft im Erziehungsalltag zu nutzen.