Zwischen Sonnencreme und Erziehungs-Schlauheiten

 
 

Hand aufs Herz: Wie oft standet ihr als junge Eltern schon völlig überfordert vor dem riesigen Regal der Erziehungsratgeber? Ich kenne das nur zu gut. In all den Jahren als Mama habe ich unzählige Elternbücher gekauft – und einige auch ganz schnell wieder aussortiert, weil sie einfach nicht zu uns passten.

Nach den Kinderbüchern und Familienfilmen der letzten Jahre widmen wir uns diesen Sommer deshalb den Büchern für uns Eltern. Darunter echte Langzeitbegleiter, spannende Neuerscheinungen, bei denen ich mir dachte: „Das hätte ich damals wissen müssen!“ .

Den Auftakt macht heute ein absoluter Klassiker, dem ich ohne zu zögern das Prädikat «besonders wertvoll» verleihen würde: «Vertrauen, Spielen, Wachsen» von Deborah MacNamara.

 

ISBN 978-3-934719-69-9

 

Das Buch basiert auf dem bekannten Ansatz von Gordon Neufeld (den ich im Gegensatz zur Autorin persönlich kennenlernen durfte), der auch das Vorwort verfasst hat. Deborah schafft es hier meisterhaft, diesen tiefen, bindungsbasierten Entwicklungsansatz leicht verständlich und alltagstauglich auf den Punkt zu bringen.

Lass dich übrigens nicht vom humorvollen Untertitel «Kinder unter Sieben verstehen (und alle, die sich so benehmen)» täuschen. Ja, es ist ein fantastisches Buch für die Kleinkindzeit. Aber eben nicht nur! Eltern von Schulkindern werden hier genauso viele Aha-Momente erleben. Eigentlich lässt sich vieles daraus auf das Zusammenleben mit Menschen generell übertragen.


„Vertrauen, Spielen, Wachsen“ ist kein klassischer Ratgeber, sondern eher ein Augenöffner. Es verändert den Blick auf das Kind radikal: Weg vom „Das Kind funktioniert nicht und ich muss es reparieren“ hin zu „Mein Kind ist mit der Welt überfordert und braucht mich als sicheren Hafen“. Und doch wird es zum Ratgeber für viele Jahre: Ein Buch, das man immer wieder in die Hand nehmen wird um ein aktuelles Thema nachzuschlagen.

Es ist das perfekte Buch für Eltern, die einen bindungsbasierten und entwicklungsorientierten Weg gehen wollen, ohne dabei die Führung zu verlieren. Es gibt Eltern die Erlaubnis, wieder intuitiv zu handeln und die Kindheit als das zu sehen, was sie ist: Eine Zeit des Reifens, die man nicht beschleunigen kann.


Der Grundgedanke: Beziehung statt Erziehungsmethoden

Während viele Erziehungsratgeber mit verhaltensbezogenen Tricks wie „Auszeiten“ (Time-outs), Belohnungssystemen oder Konsequenzen arbeiten, schlägt Deborah MacNamara, bzw. der bindungsbasierte Entwicklungsansatz einen völlig anderen Weg ein. Es geht darum, Kinder von Innen heraus zu verstehen, statt ihr Verhalten zu verändern.

Das Buch erklärt das Verhalten von Dreijährigen nicht als „bösartig“ oder „manipulativ“, sondern als völlig logische Konsequenz ihres noch unreifen Gehirns. Und dieses Verständnis ist es, welches anschliessend unser Verhalten als Eltern beeinflusst.

Die drei Säulen des Titels

Deborah MacNamara gliedert die gesunde Entwicklung eines Kindes in drei Kernbedingungen:

  •  1. Vertrauen: Das Kind muss sich der Liebe und Annahme seiner Eltern so sicher sein, dass es zur Ruhe kommen kann. Es muss nicht darum kämpfen, geliebt und angenommen zu werden. Erst aus dieser Sicherheit heraus entsteht Wachstum und Reifwerdung.

  •  2. Spielen: Das Spiel ist die Arbeit des Kindes. Deborah MacNamara zeigt, dass echtes, freies Spiel (ohne Bildschirme, ohne Lernziel) der wichtigste Ort ist, an dem Kinder ihr Emotionen ausdrücken, das Leben ausprobieren und ihr Gehirn entwickeln können.

  •  3. Wachsen:  Auf dem Boden einer sicheren und tiefen Bindung passiert das Wachstum von ganz alleine. Man kann ein Kind nicht zum Reifen zwingen, man kann nur den Nährboden dafür bereitstellen.

3 Beispiele, warum mich dieses Buch so überzeugt:

  1.  Tiefes Verständnis für „Trotzphasen“: Wenn dein Kind einen Wutanfall hat, weil die Banane falsch durchgeschnitten wurde, hilft dir dieses Buch zu verstehen, warum das passiert. Es erklärt die mangelnde Fähigkeit von Kleinkindern, zwei Gefühle gleichzeitig zu fühlen (z. B. „Ich bin wütend, aber ich weiss, dass Mama das nicht absichtlich gemacht hat“).

  2. Befreiung vom Optimierungswahn: Es nimmt Eltern den Druck, ihre Kinder ständig „fördern“ oder „belehren“ zu müssen. Es erinnert uns daran, dass Natur und Reifung Zeit brauchen und wie wichtig Raum für echtes Spiel – SpielRaum – ist.

  3. Konkrete Praxis-Tipps: Trotz des psychologischen Hintergrunds bleibt das Buch nah am Alltag. Es zeigt, wie man „die Brücke baut“, wenn physische Trennung nicht vermieden werden kann (z. B. beim Bringen in die Kita), oder wie man mit Tränen und Frustration umgeht, ohne das Kind zu beschämen.

Fazit:

Wer nach einer Methode sucht, die das Kind innerhalb von drei Tagen dazu bringt, im eigenen Bett zu schlafen oder Gemüse zu essen, wird enttäuscht sein. Das Buch fordert ein Umdenken der eigenen Haltung.

Wer sich darauf einlässt bekommt hiermit einen Kompass für die ganze Kindheit.

„Vertrauen, Spielen, Wachsen“ ist kein klassischer Ratgeber, sondern eher ein Augenöffner. Es verändert den Blick auf das Kind radikal: Weg vom „Das Kind funktioniert nicht und ich muss es reparieren“ hin zu „Mein Kind ist mit der Welt überfordert und braucht mich als sicheren Hafen“.

Es ist das perfekte Buch für Eltern, die einen bindungbasierten, entwicklungsorientierten Weg gehen wollen, ohne dabei die Führung zu verlieren. Es gibt Eltern die Erlaubnis, wieder intuitiv zu handeln und die Kindheit als das zu sehen, was sie ist: Eine Zeit des Reifens, die man nicht beschleunigen kann.

 

Hast du bereits ältere Kinder? Preteens oder Teenies?

Das Workbook “Hilfe Pubertät” für Eltern von Kindern ab 8 Jahren, oder das Buch für Eltern von Teenagern “Teenager verstehen” schliesst sich perfekt an “Vertrauen Spielen Wachsen” an.

Beide Bücher gründen auf dem gleichen bindungsbasierten Entwicklungsansatz von Gordon Neufeld wie das Buch von Deborah MacNamara.