Social Media Verbot!?

 
 

Social Media Verbot?

Gerade ist das Thema in den Medien wieder präsent: Soll social Media von Staatsseite her für Kinder verboten werden? Macht ein Verbot Sinn? Und wenn ja, wo soll die Altersgrenze angesetzt werden?

In einem Artikel, der auf SRF erschienen ist, wird Bildungsforscherin Nina Kolleck erwähnt. Folgender Satz von ihr spricht mir aus dem Herzen: «Was die Jugendlichen aber eigentlich brauchten, sei ein innerer Kontrollmechanismus. Wenn der fehlt, kenn die Jugendlichen im schlimmsten Fall kein Halten mehr, sobald sie mit 16 Jahren sozial Medien offiziell nutzen dürfen.»

Natürlich können wir nun darüber diskutieren, ob so ein Verbot überhaupt umsetzbar und vor allem kontrollierbar wäre. Was mich aber vor allem angesprochen hat, ist dieser «innere Kontrollmechanismus» - man nennt es wohl auch Gewissen.

Im echten Leben entwickelt sich das Gewissen unserer Kinder über Jahre hinweg. Sie lernen Schritt für Schritt, was okay ist uns was nicht. Und nicht nur das, mit der Zeit verstehen es auch, dass bestimmte Dinge in einem Kontext okay sind, in einem anderen aber auch nicht.

Dabei geschehen auch Fehler, vielleicht macht das Kind eine Aussage, die von einer Person als «frech» angesehen wird. Oder der Teenager macht einen Witz, der gerade in der Situation nicht angebracht ist. Vielleicht stiehlt ein Kind Süssigkeiten und erlebt dann, wie sich ein schlechtes Gewissen anfühlt. Oder es lügt und merkt, wie Lügen kurze Beine haben… Und genau aus diesen Fehlern aber auch aus Gesprächen und von Vorbildern werden sie lernen.

Als Eltern ist uns völlig klar, dass wir hier in der Verantwortung sind. Wir sind es, die unseren Kindern zu einem grossen Teil beibringen und vorleben, was richtig und falsch, was wo angebracht und wo auch nicht ist.

Doch was in der realen Welt so logisch erscheint, scheint in der digitalen Welt so gar nicht klar…

Wer lehrt denn unsere Teenager, was gepostet werden darf? Wer lebt ihnen vor, was für ein Ton in Kommentaren anständig ist und was man eben besser für sich behält? Wer zeigt ihnen, welche Inhalte in Ordnung sind, und welche schädigend sind? Oder auch, auf welche Quellen man sich verlassen kann und auf welche besser nicht und wie man das herausfindet?

Wie sollen unsere Teenager einen inneren Kontrollmechanismus oder ein Gewissen, auf welches auch in der digitalen Welt Verlass ist, entwickeln, wenn wir mit ihnen diesen Weg nicht gehen?

Unsere Generation unterscheidet noch stark zwischen der realen und der digitalen Welt. Die Generation unserer Kinder nicht mehr. Doch können wir sicher sein, dass die Werte, die wir ihnen für die reale Welt vermittelt haben, auch für die digitale Welt Bestand haben? Zum Teil sicher Ja, denke ich. Anstand, Respekt, Rücksicht, etc. bleiben gleich, ob real oder digital.

Und doch sind unsere Teenager in den sozialen Medien mit Fragen und Themen konfrontiert, die sich im realen Leben so nicht stellen. Und vor allem sind sie mit einem Wirtschaftszweig konfrontiert, der sie abhängig machen möchte und der an ihnen und ihren Daten Geld verdienen möchte. Die Grenze zur Illegalität ist viel weniger klar erkennbar wie im echten Leben. Die Auswirkungen dafür unter Umständen unendlich viel grösser.

Und genau darum brauchen sie uns auf diesem Weg. Wir sind es, die Kinder anleiten dürfen, die Werte auf die digitale Welt angepasst vermitteln dürfen und die Anlaufstelle für Fragen aller Art sein dürfen. Ob es uns gefällt oder nicht, als Eltern sind wir dafür zuständig, dass sich dieser innere Kontrollmechanismus entwickelt.

Natürlich bekommen wir dabei Hilfe, zum Beispiel von der Schule, wo vielerorts ein sehr guter Informatik- / Medienunterricht angeboten wird. Und trotzdem liegt die erste Zuständigkeit bei uns.

Was es braucht, um dieses digitale Gewissen zu bilden und was wir Eltern tun können, darum geht es beim nächsten Blogbeitrag. Doch das Wichtigste bereits jetzt: Um als Gegenüber ernst genommen zu werden und um Werte und Anleitung vermitteln zu können, müssen wir informiert sein und eine Ahnung von der Materie, also von social Media haben!