Zwischen Sonnencreme und Erziehungs-Schlauheiten
Weniger ist mehr- Was Kinder wirklich brauchen um ausgeglichen, glücklich und geborgen aufzuwachsen
Blogbeitrag von Miriam Bruderer
In einem persönlichen Familienabschnitt vor sieben Jahren, der besonders durch äussere Umstände sehr intensiv war als Mama, bin ich über das Buch Simplicity Parenting von Kim John Payene gestolpert.
Da ich es persönlich gerne einfach halte, hat mich das Cover und der Titel sofort in der damaligen Familiensituation abgeholt und mein echtes Interesse geweckt.
Echte gemeinsame Zeit zu haben, um die Füsse barfuss baumeln lassen zu können, etwas einfach ausgedrückt, dass wonach ich mich sehr sehnte.
Ein kleines Stück Freiheit als Familie.
Natürlich beinhaltet das Buch weit mehr als das.
Was brauchen Kinder nun aber wirklich um ausgeglichen, glücklich und geborgen aufzuwachsen?
Vieles was im Buch beschrieben wird, bestätigte meine eigenen Beobachtungen und bestärkte mich in dem was mir als Mama wichtig geworden ist auf dem Weg mit unseren Kindern.
Kim John Payene hat auch den Spitznahmen Dr. Müllbeutel, den er selbst humorvoll als sehr treffend findet. Kim John Payne ist ein bekannter Familienberater, Forscher und Autor, der seine berufliche Laufbahn der Erforschung der Auswirkungen der modernen Gesellschaft auf die Entwicklung von Kindern gewidmet hat.
Er geht davon aus, dass die heutige Reizüberflutung, überfüllte Terminkalender und zu viel Auswahl bei Kindern zu chronischem Stress führen. Durch gezielte Vereinfachung des Alltags gewinnen Kinder ihre Leichtigkeit, Konzentrationsfähigkeit und emotionale Balance zurück.
Wie schnell hat man als Eltern unbewusst das Gefühl, den Kindern mehr Abwechslung, mehr Förderung, besseren Lebensstandard, aussergewöhnlichere Ferien /Ausflüge und mehr Hobbys bieten zu müssen damit sie glücklich und geborgen aufwachsen können.
Ich bin mehr denn je sicher, dass dem nicht so ist.
Darin bestärkten mich die Familiengeschichten und Forschungen in diesem Buch.
Was braucht es aber von dem «weniger», dass Kinder ausgeglichen, geborgen und glücklich aufwachsen können? Damit sie in sich selber ruhen, im Spiel versinken und fokussiert sein können, statt in ständiger Ablenkung und Zerstreuung zu sein?
Die Umgebung vereinfachen
Spielzeug reduzieren: Zu viel Auswahl überfordert Kinder. Das radikale Ausmisten und Sortieren von Spielsachen in offene, übersichtliche Boxen fördert tieferes, kreativeres Spiel
Visuelle und sensorische Reize minimieren: Reduzierung von grellen Farben, lauten Hintergrundgeräuschen und überladener Dekoration in den Kinderzimmern
Kleidung und Gegenstände beschränken: Weniger Auswahl bei Alltagskleidung erleichtert Kindern die Routine und minimiert morgendliche Konflikte
Rhythmen und Vorhersehbarkeit verankern, feste Tagesstrukturen:
Wiederkehrende Abläufe (z. B. feste Aufsteh-, Essens- und Bettzeiten) geben Kindern ein tiefes Gefühl von Sicherheit und Entlastung für das Nervensystem
Rituale etablieren: Kleine, liebevolle Rituale wie das Anzünden einer Kerze beim gemeinsamen Essen oder eine feste Vorlesezeit am Abend schaffen emotionale Ankerpunkte
Vorschau auf den Tag:
Kurze, altersgerechte Ausblicke auf den kommenden Tag am Vorabend nehmen Kindern die Ungewissheit und Ängste reduzieren
Den Terminkalender entschleunigen:
Unstrukturierte Freizeit: Kinder benötigen bewusste Pausen im Alltag ohne feste Verpflichtungen, um Langeweile zu erleben, da daraus die tiefste Eigenkreativität entsteht und dringlich unbeobachtete Momente.
Aktivitäten begrenzen: Statt Kinder von einem Hobby zum nächsten zu hetzen, plädiert Payne für eine drastische Reduzierung von organisierten Freizeitaktivitäten
„Sabbat-Momente“: Der Einbau von festen Ruhephasen und Entschleunigungstagen nach stressigen Phasen erlaubt der ganzen Familie, aufzuatmen.
Die Erwachsenenwelt herausfiltern:
Medienkonsum einschränken: Bildschirme und digitale Reize sollten insbesondere bei jüngeren Kindern stark gefiltert werden, um eine Reizüberflutung zu verhindern.
Erwachsenenthemen fernhalten: Sorgen über Finanzen, Politik oder komplexe familiäre Konflikte sollten nicht vor den Ohren der Kinder besprochen werden.
Konsumdruck mindern: Kinder vor gezieltem Marketing und dem ständigen Druck, immer das Neueste besitzen zu müssen, schützen
Es ermutigte mich, um die Kindheit meiner Kinder zu kämpfen.
Nicht einfach hinzunehmen, dass man nichts ändern oder anders machen kann.
Ihrem persönlichen Glück zu liebe, etwas «weniger» von allem zu zumuten, die Erwachsenenwelt bewusster herauszufiltern und etwas Langeweile zuzulassen.
Wie sagte Astrid Lindgren einst so treffend: « ..und man muss ja auch noch Zeit haben- einfach da zu sitzen und vor sich hinzuschauen»
Das wünsche ich mich mir von Herzen für meine Kinder aber auch für mich selber.
Ein wirklich inspirierendes, lebenspraktisches und wertvolles Buch - herzliche EmpfehlungJ