Ein sicherer Ort für unsere Kinder...
«Angela, wir machen jeweils in unseren Lagern eine Mutprobe für Kinder und Teenager. Dort lassen wir auch Böller knallen. Viele Kinder freuen sich auf diesen Event. Nun wurde uns aber bewusst, dass wir diesmal Kinder dabeihaben, die eine Flucht aus einem Krisengebiet hinter sich haben. Könnte es sein, dass das Knallen der Böller diesen Kindern Angst macht? Was sollen wir nun machen?»
Diese Frage wurde mir an einer Konferenz für Kindermitarbeiter gestellt und ich freute mich sehr darüber. Warum?
Nun, diese Frage trifft genau eines meiner Herzensanliegen:
«Ich wünsche mir, dass Schule, aber auch Verein, Jungschar, Kids Treff, etc. zu sicheren Orten für Kinder, die Schweres erlebt haben, werden.»
Und wenn LeiterInnen anfangen, solche Fragen wie oben zu stellen und sich Gedanken zu machen, dann sind wir auf dem richtigen Weg!
Kinder, die Schweres erlebt haben, das sind ja nicht nur Kinder, die aus Krisengebieten zu uns kommen. In allen Schulklassen, in allen Gruppen und in jedem Verein haben wir Kinder, die einen Rucksack mit sich tragen. Vielleicht ist dieser Rucksack gefüllt mit Mobbingerlebnissen, vielleicht aber auch mit einem schweren Start ins Leben oder einer Krankheitsgeschichte. Vielleicht steckt in diesem Rucksack auch eine Kindheit voller Gewalt oder Vernachlässigung.
Nicht immer erkennen wir solche Rucksäcke auf den ersten Blick. Gerade Kinder, die zuhause Schweres erleben, haben oftmals gelernt, den Rucksack praktisch unsichtbar für andere zu machen.
Aufmerksam werden wir dann vielleicht erst durch Reaktionen oder Verhaltensweisen eines Kindes, welche wir nicht einordnen können und nicht verstehen.
Als junge Leiterin erlebte ich in einem Lager, wie ein Kind heftig stürzte uns sich dabei auch verletzte. Dieses Kind versteifte sich komplett und zeigte keine Reaktion. Keine Tränen, kein «Auaa», nichts. Und irgendwann machte das Kind weiter als wäre nichts geschehen… Ich war selbst noch ein Teenager, doch ich erinnere mich sehr gut daran, wie ich mir Gedanken darüber machte, was dieses Kind wohl schon erlebt haben muss…
Wie wir als Leiter und Bezugspersonen auf Reaktionen und Verhaltensweisen, die wir nicht einordnen oder verstehen können, reagieren, trägt zu einem grossen Teil dazu bei, ob ein Ort als «sicher» erlebt wird oder nicht.
Nicht selten werden Kinder für Dinge verurteilt, blossgestellt oder gar bestraft, für die sie nichts können, bzw. die sie in vielen Fällen gar nicht steuern können. Denn wenn Kinder einen Rucksack voll unverarbeiteten Erlebnissen mit sich tragen, sind es genau diese Erlebnisse, die verantwortlich sind, für Reaktionen und Verhaltensweisen, die im hier und jetzt keinen Sinn machen. Denn sie beziehen sich auf ein älteres, eben unverarbeitetes Erlebnis und nicht auf das, was sie gerade erleben.
Solche Kinder brauchen ganz viel Sicherheit und im besten Fall jemand, der ihnen hilft, sich wieder zu regulieren und im «hier und jetzt» zu orientieren.
Wenn du dir auch wünschst, gerade Kinder, die Schweres erlebt haben, noch mehr zu verstehen und unterstützen zu können, dann ist der Onlinekurs «Kinderseelen verstehen», der am 23. April wieder startet, etwas für dich. Egal ob du Mama oder Papa bist, Lehrperson, oder eben Leiter/In, du wirst in diesem Kurs ganz viel Verständnis und auch Werkzeuge bekommen und gerade für solche Kinder ein sicheres Umfeld zu gestalten und sie beim heil werden und wachsen zu unterstützen.
Alle Informationen zum Kurs findest du auch hier:
Mit meinem Workshop «Alles Trauma, oder wie?!» darf ich immer wieder Teams dabei unterstützen, ihre Arbeit zu einem sicheren Ort zu machen. Dieser 2h Workshop gibt einen kurzen Einblick in Themen wie Trauma, Trigger und co. Und ausserdem jede Menge Ideen und Werkzeuge, wie man mit Kindern, die Schweres erlebt haben in der Gruppe gut und sicher umgehen kann.
Falls du diesen Workshop für dein Team buchen möchtest, findest du hier alle Informationen dazu: