Wenn die Welt kurz aus den Fugen gerät: Erste Hilfe für die Kinderseele
Wenn die Welt kurz aus den Fugen gerät: Erste Hilfe für die Kinderseele
Es gibt Situationen im Leben, da bricht ein Unheil ohne Vorwarnung über uns und unsere Kinder herein. Gestern war dies in einigen Teilen der Schweiz bei einem Hagelsturm der Fall. In der Zeitung konnte man von Kindern lesen, die in der Schulpause vom Hagel überrascht und zum Teil verletzt wurden.
Die Platzwunden sind sicher längst genäht und die Prellungen mit Salbe versorgt. Doch sind wir uns bewusst, dass solche Erfahrungen von diesem Ausmass auch etwas mit der Seele der Betroffenen machen können?
Ob Hagelsturm, Überflutung, Brand oder ein schwerer Brechdurchfall – all diese Ereignisse haben eines gemeinsam: Wir verlieren für einen Moment die Kontrolle bzw. fühlt es sich zumindest so an. Ein Ort, der eben noch als sicher erlebt wurde, ist plötzlich unsicher und voller Alarm.
Zum Glück verfügen viele Menschen über eine gute Portion Resilienz. Wir sind in der Lage, uns nach dem ersten Schrecken zu fangen und zu tun, was getan werden muss. Auch viele Kinder zeigen in solchen Situationen Widerstandskraft und können Erschütterndes gut verarbeiten. Trotzdem ist es wichtig, dass wir nach aussergewöhnlichen oder gar schockierenden Ereignissen selbst scheinbar resiliente Kinder gut im Auge behalten. Denn es ist nicht immer auf den ersten Blick sichtbar, ob ein Kind ein solches Erlebnis gut verarbeitet oder ob es tiefere Spuren hinterlässt.
Was Kinder nach einem solchen Erlebnis brauchen:
Sicherheit durch Bindung: In erster Linie sind es wir erwachsenen Bezugspersonen, die dem Kind Sicherheit vermitteln. «Hey, ich bin da und beschütze dich» – das sollten Kinder in Not hören und spüren. Sind die Eltern gerade nicht vor Ort, können temporär andere Erwachsene diese Rolle übernehmen. Im obigen Beispiel waren es bestimmt die Lehrpersonen, die den Kindern Schutz gegeben haben.
Sicherheit durch Kontrolle: Nach einem gefühlten Kontrollverlust ist es essenziell, dass Kinder möglichst schnell das Gefühl von Orientierung und Selbstwirksamkeit zurückgewinnen. Auch wenn im Aussen noch nicht alles gut ist, hilft es, Alltägliches zu tun. Bei kleineren Kindern kann das auch spielerisch geschehen: «Komm, wir bringen alle Stofftiere in Sicherheit! Wir bauen eine Höhle, in die kein Hagelkorn reinkommt.»
Verarbeitung durch Spielen und Reden: Das Erlebte muss verarbeitet werden. Vielen Kindern hilft es, das Ereignis immer wieder zu erzählen. Bei jüngeren Kindern können Handpuppen oder Stofftiere helfen, die Ähnliches erlebt haben. Auch Rollenspiele, Malen und kreativer Ausdruck, etc. schaffen Erleichterung.
Verständnis: Kinder, deren Welt gerade aus den Fugen geraten ist, brauchen Nachsicht. Vielleicht braucht das Kind für ein paar Nächte die Nähe im Elternbett, hat Angst vor dem Schulweg oder nässt kurzfristig wieder ein, obwohl es schon trocken war, usw. All das sind normale Reaktionen auf ein unnormales Ereignis.
Ruhe: Ein aufgewühltes Nervensystem braucht Pause zum Verarbeiten. Damit ist keine strikte Bettruhe gemeint. Aber wenn wir spüren, dass der Sportwettkampf oder die Matheprüfung gerade zu viel sind, sollten wir Freiraum schaffen. Eine betroffene Schule hat den Eltern richtigerweise nahegelegt, ihr Kind zu Hause zu lassen, wenn sie das Gefühl haben, dass es diese Pause braucht. Dies zu lesen, freute mich besonders!
Professionelle Unterstützung: In den meisten Fällen verarbeiten Kinder aufwühlende Ereignisse spontan innerhalb weniger Tage oder Wochen. Manchmal bleibt ein Kind jedoch im Erlebten «stecken», entwickelt Panik oder leidet unter Albträumen, etc. In solchen Fällen ist es ratsam, traumapädagogische Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Übrigens: Das meiste, was hier für Kinder gilt, trifft auch auf uns Erwachsene zu – ob uns sprechende Stofftiere dabei helfen, sei einmal dahingestellt. 😉
Falls du noch tiefer in diese Themen einsteigen möchtest oder merkst, dass dein Kind Unterstützung bei der Verarbeitung schwieriger Erlebnisse braucht, ist mein Onlinekurs «Kinderseelen verstehen» genau das Richtige für dich: