«Ich geh doch nicht mit jedem mit!»
Sie kursieren in unserer Region gerade wieder, die Meldungen von einem (oder mehreren?) Männern, die Kinder auf dem Schulweg ansprechen und ins Auto locken wollen. Solche Nachrichten alarmieren Kinder und Eltern wohl gleichermassen. Dass das eigene Kind entführt wird, ist wohl eine der grössten Ängste von Eltern überhaupt. Verständlicherweise… Mir ging es als Mama mit kleineren Kindern da nicht anders. Aber was machen wir denn nun eigentlich ganz konkret gegen diese Gefahr? Klar, wir schärfen unseren Kindern ein, ja nie mit jemand Fremden mitzugehen. Eines meiner Kinder fragte dann mal: «Mama, ist eigentlich die Erika, die Freundin vom Grosi, eine Fremde oder nicht? Also dürfte ich zum Beispiel mit der mitgehen, weil ich sie ja kenne, oder nicht, weil wir sie ja nicht so gut kennen?» Spätestens bei solchen Fragen merken wir, dass das Ganze gar nicht so einfach ist…
Genau diese Frage greift das Bilderbuch «Ich geh doch nicht mit jedem mit!» auf. Lu, das Mädchen vom Buch steht vor dem Kindergarten und wartet, bis sie abgeholt wird. Da kommen verschiedene Personen vorbei und wollen Lu mitnehmen. Und Lu überlegt sich bei jedem, ob sie die Person kennt, bzw. wie gut sie sie eben kennt. Zu guter Letzt kommt der grosse Bruder, den sie natürlich wirklich gut kennt und mit ihm geht sie dann mit. Schliesslich hat die Mama ja auch gesagt, dass sie auf ihn warten soll.
Am Ende des Buches gibt es eine Liste, die man mit Kindern ausfüllen kann. Es geht dabei darum, dass man zusammen Personen bestimmt, mit denen die Kinder immer mitgehen können und dass man abmacht, dass das Kind mit allen anderen Personen nur mitgehen darf, wenn die Eltern es vorher ausdrücklich gesagt haben.
So habe ich das damals meinem Kind auch erklärt. Es gibt keinen Grund, warum das Kind mit der Erika (Grosis Freundin) mitgehen sollte. Wenn ich verhindert sein sollte, würde ich nicht die Erika schicken. Aber durchaus das Grosi…
Bei all diesen Gesprächen finde ich es enorm wichtig, dass man zwar darüber spricht, aber die Kinder auch nicht zu sehr alarmiert. Es macht keinen Sinn, dass Kinder ständig mit der Angst «vor dem bösen Mann, der Kinder entführt» unterwegs sind. Manchmal, gerade wenn solche Meldungen kursieren, ist das gar nicht so einfach. Als Eltern sind wir dann gefordert, mit der eigenen Angst einen guten Umgang zu finden, Verantwortung zu übernehmen, Massnahmen zu treffen, Kinder zu sensibilisieren, ohne sie in Angst und Schrecken zu versetzten.
Nebst oben genannter Liste macht es aus meiner Sicht auch sehr Sinn, mit den Kindern grundsätzlich zu besprechen, wo sie auf dem Schulweg (oder anderen Wegen wo sie allein unterwegs sind) Hilfe bekommen können. Dabei könnte man sich überlegen, was für Leute auf dem Weg wohnen, die man gut kennt. Dort könnte man klingeln und um Hilfe bitten. Geeignet hierfür sind auch Läden oder Restaurants, speziell dann, wenn man dort die Kinder sogar kennt. Bei uns war es die Pizzeria und die Apotheke, welche wir als solche Orte besprochen haben.
Dies zu besprechen, hilft auch, die Handlungsfähigkeit der Kinder zu fördern. Und dieses Wissen, was man tun kann, hilft wiederum den Alarm zu regulieren.
Es ist erwiesen, dass Täter(innen) mehrheitlich nicht fremde, böse Personen sind, sondern sehr oft bekannte Personen aus dem Umfeld. Ein grundsätzliches Misstrauen zu schüren wäre natürlich nicht sinnvoll. Aber es macht Sinn, den Kindern immer mal wieder zu signalisieren, dass sie mit uns über alles sprechen dürfen. Auch wenn es «nur» ein Bauchgefühl ist, oder etwas sich blöd angefühlt hat. Und natürlich sollen Kinder auch immer mal wieder hören, dass niemand, aber gar niemand das Recht hat, ihnen zu verbieten, etwas mit den Eltern zu besprechen. (Mehr dazu findest du in diesem Blogbeitrag)
Und wenn ich als Mama trotz allen Massnahmen unruhig war, habe ich meine Kinder einfach begleitet. Oder sie abgeholt, manches mal auch unangekündigt. Einfach und wirksam 😊